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Sechs Jahre Männerhilfetelefon: Ratsuchende häufig von psychischer Gewalt durch die Partnerin betroffen

Ministerin Verena Schäffer

Sechs Jahre Männerhilfetelefon: Ratsuchende häufig von psychischer Gewalt durch die Partnerin betroffen

Seit Start des Männerhilfetelefons im April 2020 ist die Nachfrage nach dem Beratungs- und Unterstützungsangebot für gewaltbetroffene Männer ungebrochen. Auch im vergangenen Jahr ist die Zahl der Beratungskontakte erneut gestiegen und lag bei 4.051 Kontakten. Das zeigt die aktuelle Evaluation des Männerhilfetelefons. ESTAruppin e.V. hat das Angebot für gewaltbetroffene Männer wissenschaftlich begleitet und jetzt einen Bericht dazu veröffentlicht. 

06.05.2026

Dem Bericht zufolge waren im Jahr 2025 die Mehrzahl der Anrufer von Gewalt durch die Partnerin oder den Partner (43,5 Prozent) sowie durch die Ex-Partnerin oder den Ex-Partner (17,8 Prozent) betroffen. Die Täterinnen waren überwiegend weiblich (rund 74 Prozent). Die gewaltbetroffenen Männer haben häufig von psychischen Gewalterfahrungen berichtet (54 Prozent) sowie von körperlicher Gewalt (39 Prozent). Der Tatort war zumeist die eigene oder eine andere Wohnung (76 Prozent). Nur rund zwölf Prozent der Betroffenen berichteten von Gewalterfahrungen im öffentlichen Raum. Rund 75 Prozent der Ratsuchenden wurden im letzten Jahr durch das Männerhilfetelefon weitervermittelt, häufig an Opfer- und sonstige Beratungsstellen.

Das vor sechs Jahren von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Bayern ins Leben gerufene Hilfsangebot ist damit zu einer festen Größe in der Unterstützungsinfrastruktur geworden. Durch die Beteiligung der Bundesländer Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz konnte das Männerhilfetelefon strukturell sowie qualitativ weiterentwickelt werden. Der aktuelle Evaluationsbericht zum Angebot zeigt, dass der Bedarf der Ratsuchenden mit dem Beratungsangebot bei rund 98 Prozent der Anrufenden gedeckt werden kann.

Gleichstellungsministerin Verena Schäffer: „Auch Männer erleben Gewalt in Partnerschaften und in der Familie. Die Zahlen des aktuellen Evaluationsberichts des Männerhilfetelefons zeigen deutlich, dass das Angebot wertvolle Unterstützung bietet, die bei den Hilfesuchenden ankommt – dies zeigt auch die hohe Zufriedenheit mit dem Angebot. Alle Formen von Gewalt müssen verhindert werden. Gewalt an Männern darf dabei kein Tabuthema sein.“

Mit dem Männerhilfetelefon erfüllen die beteiligten Bundesländer auch eine Vorgabe der EU-Gewaltschutzrichtlinie. Diese sieht vor, dass die EU-Mitgliedsstaaten kostenlose Telefon-Helplines für Opfer von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt, unabhängig vom Geschlecht, vorhalten. Um dem Bedarf an Beratung sowie den Vorgaben der Richtlinie noch besser gerecht werden zu können, haben sich die Gleichstellungsministerinnen und –minister der Länder (GFMK) bei ihrer letzten Konferenz im Jahr 2025 auf Initiative von Nordrhein-Westfalen einstimmig dafür ausgesprochen, dass das Angebot auf Bundesebene für ganz Deutschland etabliert wird.

Ergänzend zum Beratungsangebot für Männer, die Gewalt erfahren haben, hat Nordrhein-Westfalen bereits vor Jahren Schutzwohnungen für Betroffene und ihre Kinder geschaffen. An insgesamt fünf Standorten in Nordrhein-Westfalen können betroffene Männer Schutz und Ruhe vor Gewalt finden.

Das „Hilfetelefon Gewalt an Männern“ ist das erste Beratungsangebot, das unter der Nummer 0800 123 99 00 ratsuchenden Männern Unterstützung anbietet.

Der aktuelle Bericht zur wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation für von Gewalt betroffene Männer für das Jahr 2025 ist auf der Internetseite www.maennerhilfetelefon.de abrufbar.