Sprachliche Bildung von Anfang an: Neue Fortbildungsreihe für die Kindertagespflege
Kinder lernen Sprache ab dem ersten Lebenstag. Deshalb ist es wichtig, sie möglichst früh zu unterstützen und die alltäglichen Interaktionen sprachlich anregend zu gestalten. Der Kindertagespflege kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Sie erreicht viele Kinder in den ersten drei Lebensjahren und bildet damit den Ausgangspunkt für eine durchgängige sprachliche Bildung über die Kita bis in die Grundschule.
Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration hat jetzt zusammen mit den beiden Landesjugendämtern Rheinland und Westfalen-Lippe die neue Fortbildungsreihe „Mit Kindern im Gespräch in der Kindertagespflege“ begonnen, um die Fachberatungen der Kindertagespflege zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für alltagsintegrierte sprachliche Bildung zu qualifizieren.
Kinder- und Jugendministerin Verena Schäffer: „Sprache entwickelt sich im Dialog – beim Spielen, beim gemeinsamen Essen, beim Wickeln oder beim Betrachten eines Bilderbuchs. Mit der neuen Fortbildungsreihe stärken wir Kindertagespflegepersonen darin, diese alltäglichen Situationen gezielt für die sprachliche Bildung zu nutzen. Das ist wichtig, denn der Grundstein für eine gute Sprachbildung wird früh gelegt. Gerade im zweiten und dritten Lebensjahr machen Kinder große sprachliche Entwicklungsschritte. Deshalb setzen wir bewusst bei den jüngsten Kindern und damit in der Kindertagespflege an.“
Das Qualifizierungskonzept „Mit Kindern im Gespräch“ vermittelt wissenschaftlich fundierte Gesprächsstrategien, die sich unmittelbar in den pädagogischen Alltag integrieren lassen. Dazu gehören Frage-, Modellierungs- und Rückmeldestrategien ebenso wie ihre Anwendung beim dialogischen Lesen, in Routinesituationen, im Fantasie- und Bauspiel sowie bei spontanen Sprechanlässen. Ziel ist es, die Qualität der Interaktionen zu verbessern und Kinder von Anfang an in ihrer sprachlichen Entwicklung zu unterstützen.
Die Fortbildungsreihe richtet sich an Fachberatungen für Kindertagespflege. Sie werden qualifiziert, das Konzept anschließend selbst an Kindertagespflegepersonen weiterzugeben. Dafür erhalten sie neben dem fachlichen und methodischen Wissen auch praxiserprobte Materialien wie Präsentationen, Erklärvideos und Gesprächswerkzeuge. Auf diese Weise werden die Inhalte nachhaltig in den Strukturen der Kindertagespflege in Nordrhein-Westfalen verankert.
Die Qualifizierung umfasst insgesamt 24 Stunden und verbindet Präsenzveranstaltungen, digitale Termine und Phasen des selbstgesteuerten Lernens. Der erste gemeinsame Durchlauf hat am 8. Oktober 2026 beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster begonnen. Die Adaption des in Rheinland-Pfalz entwickelten Konzeptes für die Kindertagespflege in Nordrhein-Westfalen wird von Professorin Dr. Gisela Kammermeyer von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Landau wissenschaftlich begleitet.
Beatrice Prinz vom LWL-Landesjugendamt Westfalen-Lippe betont: „Eine hohe Interaktionsqualität ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sprachliche Bildung im pädagogischen Alltag gelingt. Kindertagespflegepersonen brauchen dafür fundiertes Wissen, praxistaugliche Gesprächsstrategien und eine qualifizierte fachliche Begleitung.“
„Es ist sinnvoll, dass wir gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendministerium ein wirksamkeitserprobtes Qualifizierungskonzept speziell für die Kindertagespflege anbieten“, sagt Tanja Bräsen vom LVR-Landesjugendamt Rheinland. „Es stärkt die Fachberatungen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und trägt dazu bei, die Qualität der sprachlichen Bildung nachhaltig in der Kindertagespflege zu verankern.“
Die Fortbildungsreihe ist aus der bewährten Zusammenarbeit des Kinder- und Jugendministeriums mit dem LVR-Landesjugendamt Rheinland und dem LWL-Landesjugendamt Westfalen hervorgegangen. Sie knüpft an die erfolgreichen gemeinsamen Fachtagungen zur sprachlichen Bildung. Für 2027 ist ein weiterer Kurs mit Start in Köln geplant.