Evaluation der familienpolitischen Leistungen

Familien in Nordrhein-Westfalen durch flächendeckende Angebote der Familienbildung, Familienberatung und Familienpflege zu unterstützen, gehört zu den Kernaufgaben der Familienpolitik unseres Landes. Erstmalig wurden nun die familienpolitischen Leistungen wissenschaftlich fundiert und im Dialog mit den Fachkräften und den Familien selbst umfassend evaluiert. Die Ergebnisse der von der Prognos AG durchgeführten Studie liegen nun vor.

Aufgabe des Landes ist es, gute Rahmenbedingungen und Entwicklungsperspektiven für die Familien in Nordrhein-Westfalen zu schaffen, was sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Förderleistungen und Angebote ausdrückt. Um diese auf Wirksamkeit und Effektivität zu überprüfen, hat das MKJFGFI eine ergebnisoffene Evaluation der Familienbildung, Familienberatung und der Leitstellen der Familienpflegedienste in Auftrag gegeben:

Sind die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangebote bedarfsgerecht, werden die Zielgruppen angesprochen? Unterstützen die Angebote die Familien bedarfsgerecht in ihrem Alltag, fördern und stabilisieren sie sie dort, wo es notwendig ist? Sind die Fördersystematiken zielführend?

Die Untersuchung wurde mit einer hohen Beteiligung aus der Trägerlandschaft sowie einer repräsentativen Familienbefragung, als Gradmesser für tatsächliche Bedarfsorientierung und Bekanntheitsgrad der Angebote, durchgeführt. Die umfassende Evaluation besteht aus quantitativen und qualitativen Fragestellungen, die auf jedes Themenfeld angewendet wurden.
Hierzu zählen beispielsweise

  • Anzahl, regionale und sozialräumliche Verteilung und Gestaltung der jeweiligen Angebote
  • Effektivität der Zielgruppenansprache
  • Vernetzung mit weiteren (kommunalen) Programmen und den Familienzentren
  • Sicherung und Weiterentwicklung, auch hinsichtlich der auskömmlichen und nachhaltigen Finanzierung
  • aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, die in der Beratungsstruktur perspektivisch stärker berücksichtigt werden sollten
  • Qualifizierungsanforderungen an das jeweilige Personal und Maßnahmen zur Qualitätssicherung

Es wurden Handlungsfelder identifiziert und Empfehlungen zur Weiterentwicklung erarbeitet. Auch werden den Trägern konkrete Entwicklungsmöglichkeiten für Ihre Arbeit vor Ort aufgezeigt.
 
Die Familienbildung ist gesetzlich verankert und hat in NRW einen hohen Stellenwert. Auftrag der landesgeförderten Familienbildung ist es, die Familien in ihrer Entwicklung, in ihrem Alltag zu unterstützen. Rund 150 Familienbildungsstätten und Angebote wie „Elternstart NRW“ haben das Ziel, Eltern niedrigschwellig und frühzeitig zu erreichen.

Der Endbericht gibt Aufschluss darüber, an welchen Wendepunkten sich die bestehenden Angebote, analog zu einer sich wandelnden Gesellschaft, befinden. Auch Impulse für Änderungen der Fördersystematik werden gesetzt.

Die Familienberatung unterstützt, wenn Familien sich in einer schwierigen Situation befinden. 264 Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern in NRW werden hierzu vom Land gefördert und stehen bei unterschiedlichsten Konflikten beratend zur Seite. Zusätzlich stehen spezialisierte Beratungsstellen mit besonderem Schwerpunkt zur Verfügung.

Die Evaluation zeigt auf, dass die Beratungslandschaft flächendeckend und niederschwellig zugänglich ist. Sie attestiert eine hohe Fachlichkeit und Wirksamkeit – rund 80 % aller Beratungen werden erfolgreich abgeschlossen. Es werden jedoch auch Handlungsfelder hinsichtlich schwer erreichbarer und besonderer Zielgruppen sowie dem Ausbau der Beratung gegen sexualisierte Gewalt aufgezeigt.
 
Die Leitstellen der Familienpflegedienste sind vom Land geförderte, koordinierende Einrichtungen für die Familienpflegedienste in den Kommunen. Diese tragen mit verschiedenen, ganz konkreten Unterstützungsangeboten dazu bei, dass der Haushalt einer Familie in einer schwierigen Phase aufrechterhalten bleibt und eine Fremdunterbringung. der Kinder vermieden werden kann. Mit Hilfe der Leitstellen wird eine flächendeckende Versorgung ermöglicht, die sich in der Praxis am Lebensalltag der Familien orientiert.

Die Evaluation stellt fest, dass Familien in Notsituationen mit der Familienpflege eine niedrigschwellige, stabilisierende Hilfe erhalten können, die von den betroffenen Familien gut angenommen wird. Handlungsbedarf wird unter anderem in der Personalgewinnung für den Beruf der examinierten Familienpflegefachkraft gesehen. Auch für die Vernetzung mit der lokalen Kinder- und Jugendhilfe werden Impulse für eine noch stärkere, präventive Wirkung gesetzt.

Am 1. September 2021 fand ein begleitender Fachkongress zu den Ergebnissen der Evaluation in der Essener Lichtburg statt. Ziel war es, die Evaluationsergebnisse mit einer breiten Fachöffentlichkeit zu diskutieren und in einen gemeinsamen Austausch zu Umsetzungserfordernissen, Chancen und Stärken familienunterstützender Angebote zu kommen. Bereits im Vorfeld waren die TeilnehmerInnen eingeladen worden, sich bei dem Online-Beteiligungsforum „Mitreden“ anzumelden und Anregungen für einen längerfristigen Dialog zwischen Fachöffentlichkeit, Wissenschaft und EntscheidungsträgerInnen beizusteuern.

Familienstaatssekretär Andreas Bothe diskutierte mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Jugendhilfe über die verschiedenen Entwicklungen und Aspekte für eine zukunftsfeste Weiterentwicklung der familienpolitischen Leistungen in NRW. „Wir wollen Eltern bei ihrem Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsauftrag bestmöglich unterstützen und ihnen gleichzeitig größtmögliche Wahlfreiheit eröffnen. Wir wollen Eltern nicht vorschreiben, wie sie ihre Erziehung gestalten sollen – aber ihnen gleichermaßen den Zugang zu unterstützenden Angeboten ermöglichen, unabhängig von Einkommen, Herkunft oder sexueller Orientierung. Damit leisten wir Prävention im besten Sinne, denn wir machen Familien stark für ihren Alltag“, so Bothe.
In den anschließenden Zukunftswerkstätten hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, unterschiedliche Schwerpunkte zu vertiefen. Zielgruppen des Fachkongresses waren die Akteure der Jugendhilfelandschaft: VerbandsvertreterInnen sowie Fach- und Führungskräfte der Familienberatung, Familienbildung sowie Familienpflege, EntscheidungsträgerInnen aus der Landes- und Kommunalpolitik sowie ExpertInnen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sowie der öffentlichen Verwaltung.

Mit rund 100 Gästen vor Ort und bis zu 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Stream war der Kongress ein voller Erfolg. Er belegt, wie groß das Interesse aller handelnden Akteure ist, die Beratungs- und Unterstützungsangebote für Familien entlang der sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu gestalten. Insbesondere Möglichkeiten von Vernetzung und Kooperation im sozialen Nahraum waren wichtige Themen des Fachkongresses.
Hier finden Sie Evaluation zum Nachlesen sowie Mitschnitte vom Kongress und den Zukunftswerkstätten.